Bürgerinitiative „gegen die Waldzerstörung“ zu Gast bei Deutschlands berühmtesten Förster, Peter Wohlleben am 27.11.2017 in Wershofen/Eifel

Bei Peter Wohlleben am 27.11.2017 in Hümmel_

Wohlleben: “Staatswald”  ist immer noch BÜRGERWALD, und es besteht ein gesetzlich verankerter gesellschaftlicher Anspruch auf Schutz und Erholung!
– Schutz- Nutz- und Erholungsfunktion sind gleichwertig im Waldgesetz verankert!  Forstwirtschaft ist vom Gesetz her verpflichtet, den Wald in erster Linie zu schützen und für die Erholung zu erhalten – die Nutzungdarf nur untergeordnetes Zielsein oder ganz ausbleiben!

Der Sprecherkreis der Bürgerinitiative „gegen die Waldzerstörung“ (Claudia Blank, Herbert Fahrnbauer, Dr.Dr. Roland Rippel und Eckhard Schulz) wurde von dem bekannten Bestsellerautor und Förster Peter Wohlleben zu einem ganztätigen Workshop nach Wershofen (Eifel) eingeladen. Im vollem Gemeindesaal trafen sich Sprecher von Waldschutzinitiativen aus ganz Deutschland, die alle die Sorge um ihren BÜRGERWALD einte und die sich Rat gegen kommerzielle und hochtechnisierte Waldbewirtschaftung durch staatliche Forstbetriebe erhofften.

Wohlleben begrüßte die Entstehung einer starken Bürgerbewegung. Die Holz- und Forstlobby hätte diese Entwicklung – insbesondere die Gründung der Bundesbürgerinitiative Waldschutz – fest im Blick und würden bereits aufrüsten durch forstliche Kommunikations-Schulungen zur Beruhigung der Bürger. Die BundesBürgerinitiative Waldschutz BBIWS wurde aufgrund der massiven Holzeinschläge im Nürnberger Reichswald  vom Sprecherkreis der BI „gegen die Waldzerstörung“  initiiert und letztendlich in Darmstadt gegründet. Die Mitglieder der Bundesbürgerinitiative Waldschutz, die ebenfalls an dem Workshop teilnahmen, kommen mittlerweile aus 11 Bundesländern, Tendenz steigend.

Ausgangspunkt für den ganztägigen regen Austausch zwischen den Teilnehmern und P. Wohlleben war folgendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts:

BVerfG, Urt. v.31.05.1990, NVwZ 1991,53:

“Die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes, dient der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Staatliche Forstpolitik fördert im Gegensatz zur Landwirtschaftspolitik weniger die Betriebe und die Absetzbarkeit ihrer Produkte, als vielmehr die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts.”

Hier stellte P. Wohlleben klar: “Statt Bewirtschaftung müsste es heißen: die Betreuung des Waldes …… auch ist der Wald genau genommen kein „Staatswald“, sondern immer noch „Bürgerwald“ und sollte nicht aus einer Gewinnerzielungsabsicht bewirtschaftet werden.“ Schwarze Zahlen würden genügen. Auch würden unabhängige übegeordnete Kontrollen fehlen: Forstwirtschaft hat es bis heute erfolgreich geschafft, gegen die Gesetze zu wirtschaften, denn das kontrolliert keiner bzw. sie kontrolliert sich selber!
Ein zentrales Thema des Workshops war die dort erfolgreich praktizierte naturnahe Bewirtschaftung des Waldes, insbesondere unter Berücksichtigung des Naturschutzes und der Erholungsfunktion des Waldes. So wird die Holzernte dort Ende Februar aus Rücksicht auf die Brut- und Aufzuchtzeiten eingestellt, und mit Rückepferden und mit Waldarbeitern waldverträglich Holz geschlagen.

W. widersprach der Behauptung, dass ein Wald “gepflegt” werden müsste durch den Menschen. Der Wald würde den Menschen nicht brauchen, passe sich immer wieder selbst den Gegebenheiten und Veränderungen des Klimas an, vorausgesetzt man lässt ihn in Ruhe und gibt ihm die nötige Zeit dazu. Der Klimawandel und die angeblichen Gefahren für den Wald, seien vorgeschoben, um ihn industrialisieren und nutzen zu können. Das allerwichtigste im Wald wäre, ihn in Ruhe zu lassen; ihn so wenig wie möglich durch Eingriffe zu stören!

Als großes Problem sah P. Wohlleben an, dass jungen Forstanwärtern in der Ausbildung nur unzureichend ökologisches Wissen beigebracht und kritisches Hinterfragen angeeignet würde. In erster Linie ginge es bei Staatlichen Förstern um Schaffung eines industriegerechten Waldes zur Holzproduktion. Dabei wären Förster dazu gesetzlich vepflichtet, den Wald zu schützen.

Auch ein Verbrennen von Holz bezeichnete P. Wohlleben (immerhin die Hälfte des geschlagenen Holzes) als unsinnig: Erneuerbare Energien durch Holzverbrennung würden das Klima nicht schützen – ganz im Gegenteil!

Weiter: „Wenn Forstwirtschaft  immer wieder von “nachhaltiger” und “ordnungsgemäßer” Forstwirtschaft spricht, baut sie darauf, dass Bürger es fachlich nicht beurteilen können. Dies sind Schlagworte, die zudem nicht definiertsind!“

Auch nannte P. Wohlleben typische Beispiele von Forstmärchen, wie den angeblich notwendigen “Schirmschlag” zum Zwecke der Naturverjüngung – einen Kahlschlag auf Raten, denn der Sozialverband der Bäume im Wald wird aufgelöst, eine Schwächung tritt ein, mehr Lichteinfall, junge Bäume wachsen in schlechter Qualität, dafür schnell und gerade nach oben und sind somit wiederum schnell zum ernten. – Ein Baumtrieb, der langsam und im Schutz seines Mutterbaumes heranwächst, braucht wesentlich länger, ist aber auch viel gesünder und widerstandsfähiger!

Die Eiche sei eine Lichtbaumart, deshalb müsse nicht um sie herum ausgeholzt werden, damit sie besser wachsen könne, und Buchen wären laut Forstwirtschaft “Bedrängerbäume”, die gefällt werden müssten, um Platz für die Eichen zu schaffen.

Durch Harvesterbefahrung verdichtete Böden – unabhängig von der Breite der Reifen und Minderungstechniken – zerstören diesen und die Bodenlebewesen laut P. Wohlleben bis in 2 m Tiefe durch tonnenschweres Gewicht und die Rüttelbewegungen des Motors irreparabel bis zur nächsten Eiszeit! Die Wasserspeicherfähigkeit ließe bis zu 95% nach, Bäume würden schlichtweg in heißen Sommern verdursten. Die Forstwirtschaft setze auf Bürgerberuhigung durch eine optische Spurbeseitung.

Dass Forstleute bei Waldarbeiten per Hand und Rückepferd gefährdeter wären, konnte P. Wohlleben ebenfalls nicht sehen, da die Sicherheit mit der Qualifikation des Forstpersonals und deren Arbeitsbedingungen „fallen und stehen“ würde.

Forstwirtschaft würde angeblich Rücksicht auf Höhlenbäume nehmen – Förster dürften in der Praxis Schwarzspechthöhlen schlagen, aber nicht die Gesamtpopulation gefährden. Wer kontrolliert dies?

Holz würde aus wirtschaftlichen Gründen ganzjährig geschlagen, weil Forstwerke den Sägewerken die kostenträchtige Lagerhaltung ersparen.

Auch sei die Douglasie kein geeigneter Baum in Hinblick auf die steigenden Temperaturen, zudem sei sie erwiesenermaßen besonders schädlingsanfällig, aber als schnellwachsende Baumart schnell zu Geld zu machen. P. Wohlleben setzt hingegen auf natürliche Naturverjüngung und ist gegen Neuanpfanzungen im Wald – P. Wohlleben: “Wer pflanzt ist ‚forstwirtschaftlich tot‘. Forstwirtschaft ist kein Naturschutz!”

Wohlleben ermutigte und bestärkte abschließend alle bürgerlichen Waldschützer/innen in ihrem Tun mit den Worten:

„Macht einfach weiter! Sagt immer wieder, wie es euch im Wald geht! Tretet auch für die Interessen der Förster ein, und sprecht aus, was diese nicht sagen dürfen!”

Mit besten umweltverbundenen Grüßen

Claudia Blank, BI „gegen die waldzerstörung“ (Bayern)

 

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