5 vor 12 – Führungen

Wie in den letzten Beiträgen bereits angekündigt, können wir unsere 5 vor 12 – Führungen endlich in die Tat umsetzen.

Hierfür suchen wir möglichst Gebiete aus, in denen sich die Schädigung unserer Wälder durch die industrielle Waldbewirtschaftung („Holzacker“)  aktuell am deutlichsten zeigt.

Die Dauer ist mit ca. 1.5 – 2 Stunden veranschlagt.

Den Beginn macht Hans-Jürgen Krauss, ein erfahrener Naturführer und Pädagoge, am Sonntag, den 06.05. um 10:00 Uhr. Treffpunkt ist der Parkstreifen vor der Rudolfshofer Schule in der Reichenberger Straße in Lauf an der Pegnitz (PLZ 91207).

Die zweite Führung ist für Sonntag, den 10.06., ebenfalls um 10:00 Uhr vorgesehen. Der genaue Treffpunkt wird noch in der nächsten Aktualisierung bekannt gegeben, ist aber an einem der beiden Endpunkte des bodenkindlichen Lehrpfades bei Kalchreuth. Professor Dr. Armin Skowronek (siehe auch Menü Expertenzirkel) wird allen Teilnehmern die bodenkundlichen Aspekte mit allen Konsequenzen der industriellen Holzernte erläutern.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme.


 

Holzfällungen an der Regensburger Straße

Besorgte Mitbürger beschweren sich zunehmend über die Holzfällungen, welche laut Staatsforsten zur Sicherung des Straßenverkehrs durchgeführt werden müssen.

Wie Herbert Fahrbarer in seinem Brief an mehrere betroffene Ansprechpartner schrieb:

„Wie aus dem beiliegenden Zeitungsartikel entnommen werden kann, sollen ab kommenden Dienstag umfangreiche großflächige Baumfällarbeiten in Nürnberg an der Regensburger Straße durchgeführt werden. Der Einsatz von 4 (vier !) Harvestern lässt ein Ergebnis erwarten, das weit über eine „Verkehrssicherungsmaßnahme“ hinausgeht. Aus unserer Sicht ist diese umfangreiche und großflächige Baumfällaktion in keinster Weise akzeptabel, insbesondere auch deshalb, weil derzeit die Vogelbrutzeit stattfindet. Darüber hinaus widerspricht diese geplante Fällung dem BNatschG (§39 Abs.5 Nr.2), wonach ab 1.März ein generelles Verbot zur Fällung von Bäumen, Hecken, Büschen und Sträuchern besteht. Aus unserer Sicht ist diese geplante Baumfällaktion auch eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit, wenn auf der einen Seite dem Vorgartenbesitzer hohe Geldbußen bei einem Verstoß gegen die Vorschriften des BNatschG angedroht werden, auf der anderen Seite 4 Harvester den „Wald großflächig aufräumen“. Wir bitten Dich deshalb darum, Dich dafür einzusetzen, dass diese geplanten Aktionen nicht gerade während der aktuell stattfindenden Vogelbrutzeit durchgeführt werden.“

Dieses Vorgehen ist umso fragwürdiger, zumal die Planung für diese „dringliche Sicherheitsmaßnahme“ 2015 begann, und jetzt trotzdem in der Brutzeit erfolgt. Aber die Staatsforsten sind ja durch Sondergenehmigungen nicht an Gesetze gebunden, die ansonsten für jeden Durchschnittsbürger gelten und mit nicht unerheblichen Strafen belegt sind.

Entsprechend der Aussagen der NN sollen über 1000 Bäume bei diesem Projekt gefällt werden. Dies ruft sogar den BN auf den Plan, der in Person von Herrn Dr. Straußberger, der üblicherweise  den Schulterschluss mit Herrn Blank von den Staatsforsten sucht (und leider meist auch findet, wie auch kürzlich in einem gemeinsamen ganzseitigen Bericht im Wochenmagazin vom 14./15. April der NN –  „geliebter Wald“), sogar eine kritische Pressemitteilung veröffentlichte:

„TAG DES BAUMES: BN KRITISIERT ÜBERZOGENE VERKEHRSICHERUNGEN

BÄUME LEBEN GEFÄHRLICH AN NÜRNBERGS STRASSEN

 Zum internationalen Tag des Baumes kritisiert der BUND Naturschutz in Bayern (BN), dass durch überzogene und nicht fachgerechte Verkehrssicherungsmaßnahmen viele Bäume unnötig gefällt werden. Der BN hat zwar Verständnis, dass entlang von Straßen und Wanderwegen im Zuge der Verkehrssicherung Bäume gefällt werden müssen, die drohen auf die Straße zu fallen, weil sie krank oder beschädigt sind oder zu schräg stehen. „Allerdings darf es keine Massenfällungen auch von gesunden, unproblematischen Bäumen unter Verweis auf die Verkehrssicherung geben“, so Ralf Straußberger, Waldreferent des BN, „weil das vorsorgliche Fällen von gesunden Bäume nicht Gegenstand der Verkehrssicherungspflicht ist.“ Solche Negativbeispiele hatte der BUND schon 2009 in seinem Schwarzbuch Wald kritisiert. In einem aktuellen Fall kritisiert der BN Massenfällungen im Wege der Verkehrssicherung entlang einer Straße in Nürnbergs Südosten durch die Bayerischen Staatsforsten. „Wir appellieren an die Staatsforsten und kommunalen Waldbesitzer auch für solche Aufgaben wieder mehr Fachpersonal vorzuhalten. Der massive Personalabbau darf nicht dazu führen, dass es zu solchen Großeinsätzen und pauschalen Massenfällung kommt“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN.

 Bäume leben gefährlich an Nürnbergs Straßen

Ganz aktuell kritisiert der BN Massenfällungen entlang der Regensburger Straße in Nürnbergs Südosten durch die Bayerischen Staatsforsten. Der Forstbetrieb Nürnberg hatte dort vor wenigen Tagen in einem einmaligen Großeinsatz 1000 Bäume fällen lassen und als Grund angegeben, dass die Bäume dort stark geschwächt seien und viele langsam absterben würden. Aber nachdem der Waldreferent des BN die Maßnahme begutachtet hat, hält er sie in mehreren Punkten für nicht fachgerecht. „Es wurden nicht nur einzelne Bäume gefällt, wie uns der Forstbetrieb vorab berichtet hatte, sondern massenhaft auch gesunde Bäume und vor allen dicke Kiefern sowie Eichen“, kritisiert Ralf Straußberger, Waldreferent des BN. „Viele der gefällten Bäume hatten eine vitale Krone und hatten keine Anzeichen, dass sie bald absterben“. Zudem wurden auf der Nordseite der Straße fast alle Bäume abgesägt, die am nächsten zur Straße standen. „Wir halten auch den Zeitpunkt für viel zu spät, weil jetzt die Brutzeit schon begonnen hat und solche Fällung im Vogelschutzgebiet dann tabu sein sollten“, so Kai Frobel, stellvertretender Landesbeauftragter des BN.

Appell für Verkehrssicherung mit Augenmaß

Der BN appelliert an die Staatsforsten und Waldbesitzer, Verkehrssicherung mit Augenmaß zu betreiben und fordert, dass Verkehrssicherungsmaßnahmen immer einzelbaumbezogen begründet und durchgeführt werden müssen. Die Maßnahmen müssen den aktuellen Erfordernissen angemessen sein und dürfen nicht „auf Vorrat“ oder „im Vorgriff“ durchgeführt werden. Flächige Nutzungen im Zuge der Verkehrssicherung sind nach Ansicht des BN nicht zulässig. Grundsätzlich setzt sich der BN in dem juristisch, schwierigen Feld der Verkehrssicherung dafür ein, dass die Pflichten der Waldbesitzer deutlich reduziert werden.

Zumindest im Wald haftet nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus 2012 der Waldbesitzer nicht für waldtypische Gefahren.Entlang von Straßen sind aber regelmäßige, protokollierte Begänge wichtig, sowie eine zeitnahe Ausführung der erforderlichen Verkehrssicherungsmaßnahmen. „Der Personalabbau im Staatswald und teilweise auch bei den kommunalen Forstbetrieben trägt sicher auch mit dazu bei, dass die Fällungen bei der Verkehrssicherung großflächiger und deutlich massiver ausfallen, auch weil die Maßnahmen konzentriert an Unternehmer vergeben werden“, so Straußberger.

 Verkehrssicherung mit bundesweiter Relevanz für Baumschutz

Bereits 2009 hatte der BUND in seinem Schwarzbuch Wald auf diese Problematik aufmerksam gemacht. In 6 von 15 bundesweiten Fallstudien spielte die Verkehrssicherung eine Rolle bei den kritisierten Fällungen. Im seinem Waldreport 2016 hat der BUND dokumentiert, dass es auch sehr positive Beispiele gibt, wie Verkehrssicherung gehandhabt wird, so z.B. im Privatwald der Dillinger Hütte im Saarland.“

Um Ihre Betroffenheit und Ärger mitzuteilen (sei es zu dem unkritischen Bericht im Wochenmagazin, dem Desaster in der Regensburger Straße, oder den allgemeinen Waldschäden durch die Holzindustrie), möchte wir Sie auffordern, möglichst viele Leserbriefe zu verfassen und an die Nürnberger Nachrichten zu senden. Hierfür kurze Tips:

  1. Nicht länger als 25 Zeilen.
  2. Als Privatperson schreiben.
  3. Zeitnah abgegeben.

Bitte an an nn-leserbriefe@pressenetz.de und nn-reporter@pressenetz.de mailen.


 

Weiterhin bitte wir Sie, die neuen Veröffentlichungen und Artikel in den Rubriken Leserportal und Presse zu beachten.

 


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Tag des Baums 2018 (25. April)

Gemeinsame Erklärung aller angeschlossenen Bürgerinitiativen  aus den Bundesländern

In ganz Deutschland kämpfen Bürger für die alten Bäume in ihren Wäldern!
Die
BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) fordert am Internationalen Tag des Baumes einen wirkungsvolleren Schutz alter Bäume und alter Wälder, denn diese werden immer seltener.

Die Fällung zu vieler stattlicher, aber auch zu vieler noch junger Bäume ist nicht nur in Wirtschaftswäldern, sondern auch in Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten und Natura 2000-Wäldern hierzulande gängige Praxis. Dadurch fehlen im Wald vielfach zwei bis drei Baumgenerationen. Die Folgen für bedrohte, an alte Wälder und alten Baumbestand gebundene Tier- und Pflanzenarten wie beispielsweise den Mittelspecht sind dramatisch, denn sie verlieren mit den alten Bäumen ihre Lebensgrundlagen und werden immer seltener. Wälder ohne oder mit nur wenigen großen, stattlichen Bäumen büßen überdies viel von ihrer natürlichen Schönheit ein, ihr Erholungswert sinkt.

Immer mehr Bürger protestieren daher bundesweit gegen eine viel zu intensive, naturzerstörende Forstwirtschaft, gründen Bürgerinitiativen und setzen sich für eine naturnahe Waldbehandlung ein, wie z.B. am Ettersberg bei Weimar und in  Stuttgart-Botnang. Dort wurde im „bearbeiteten“ Gebiet innerhalb des Naturschutzgebiets Rot- und Schwarzwildpark, Teil des Stuttgarter  FFH-Gebiets „Glemswald und Stuttgarter Bucht“, ein großer Teil des alten Baumbestands zerstört. „Das Ausmaß des Einschlags ist zu massiv und völlig überzogen,“ so Jörg Noetzel von der BI „Zukunft Stuttgarter Wald“. „Hier wurden nicht nur viele, sondern zum großen Teil für die Natur sehr wertvolle alte Bäume gefällt. Wir fordern ein Umdenken zugunsten des Naturschutzes und der Naherholung!“

Dass derartige massive Baumfällungen keine Einzelfälle sind, zeigt sich auch an zahllosen anderen Negativbeispielen. Erst vor kurzem hat der NABU Thüringen wegen der viel zu intensiven Forstarbeiten im FFH- und Vogelschutzgebiet Tautenburger Forst Strafanzeige gestellt. Und seit Jahren fordern Naturschützer, die alten Buchen des bayerischen Steigerwalds durch einen Nationalpark oder ein anderes Schutzgebiet ohne forstliche Nutzung vor den Sägen zu retten.

Es sind keineswegs nur Laien, die Defizite im Schutz der deutschen Wälder beklagen. Viele Fachleute protestieren schon seit Jahren und fordern eine Abkehr von der jetzigen harten Form der Forstwirtschaft in öffentlichen Wäldern, bislang leider vergeblich. Die Naturwald Akademie veröffentlicht am heutigen Tag des Baums eine detaillierte Studie, die belegt, dass fast 90% der Waldfläche in Deutschland in einem ökologisch schlechten Zustand ist. “Dies ist eine Schande für ein so reiches Land wie Deutschland, das sich gerne als vorbildlich in Sachen Naturschutz und Forstwirtschaft darstellt”, so Herbert Fahrnbauer, Sprecher der BundesBürger Initiative WaldSchutz (BBIWS).

Auch Deutschlands bekanntester Förster Peter Wohlleben beobachtet die immer intensivere Forstwirtschaft hierzulande, insbesondere auch in Deutschlands öffentlichen Wäldern, mit großer Sorge und unterstützt Waldschutz-Bürgerinitiativen: “Ich halte es für wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme erheben und bei der Bewirtschaftung ihres Waldes mitreden!“

Dabei dienen die kommunalen und öffentlichen Wälder in erster Linie dem Naturschutz und der Erholung, und “nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse” (BVerfG, Urt. v. 31.05.1990, NVwZ 1991,53).

BBIWS-Sprecher Fahrnbauer meint dazu: „Die Beachtung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts über die öffentlichen Wälder sollte eine Selbstverständlichkeit sein, doch die Realität ist eine andere, auch wenn immer von „nachhaltiger Forstwirtschaft“ die Rede ist. Entsprechend fordern die Mitglieder der BundesBürgerIinitiative WaldSchutz (BBIWS) zum Tag des Baumes 2018 den Gesetzgeber auf, dem Schutz der Alt- und Biotopbäume den Vorrang vor monetären Interessen zu geben, damit sie in den heimischen Wäldern wieder in ausreichender Zahl ihren natürlichen Lebenszyklus vollenden können. Wälder in öffentlichem Besitz gehören uns Bürgern, es sind Bürgerwälder. Wir müssen den überzogenen Baumfällungen in Städten und öffentlichen Wäldern einen Riegel vorschieben! In unserem „Manifest zum Wald in Deutschland“ legen wir die Missstände offen und geben dem Wald eine Lobby.“

 

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