Aktualisierung vom 23.03.2020

Liebe Wald- und Naturfreunde,

in Zeiten der Coronakrise mit Ausgangsbeschränkungen und weiteren Einschränkungen wird es einem umso mehr bewußt, was es für ein Genuss ist, im Wald und in der Natur einen ungestörten Spaziergang zu machen, und das gerade aufblühende Leben auf sich einwirken zu lassen. Das Vogelgezwitscher, das ausschlagende Grün und die frische Luft sorgen für gute Stimmung und lassen Jeden von den Alltagssorgen und -gedanken abschalten. Sei es der Frühling oder die Ausnahmesituation, die Passanten, denen man (leider mit Abstand) begegnet, wirken aufgeschlossen und gut gelaunt.

Das Waldbad wird jedoch immer häufiger von Arealen geprägt, die von den vergangenen Stürmen und Schneebrüchen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Selten hat man so viele umgefallene und entwurzelte Bäume gesehen, wie zur Zeit. Ich weiß nicht, ob dies nur ein subjektives Gefühl ist, aber die geschädigten Bäume befinden sich meist in Arealen, die von der Forstindustrie in naher Vergangenheit bewirtschaftet und ausgedünnt wurden. Naturbelassene Areale weisen deutlich weniger geschädigte Bäume auf. An der Staatsstraße 2239 zwischen Industriegebiet Feucht und der A9 in Richtung Bahnstrecke, wo letztes Jahr Holz geerntet wurde, sieht man reichlich umgeknickte Bäume zwischen der stark ausgedünnten Restbewaldung. Ein Paradebeispiel für Plantagenwirtschaft.

Die Aussage von Herrn Wurm, seines Zeichens Forstamtsleiter in Nürnberg, vom letzten Herbst, man würde gesunde Bäume stehen lassen und nur käfer- und dürregeschädigte Bäume entfernen, dürfte inzwischen der Vergangenheit angehören. An der Verbindungsstraße zwischen Feucht und Nürnberg kurz vor Altenfurt erfolgte in den letzten Wochen die übliche industriemäßige Ausholzung, wie man an den großen Holzpoltern und den durch die Harvester angeschrammten verbliebenen Bäumen entlang der Rückegassen unschwer erkennen kann. Der Waldboden ist von den abgetrennten Baumkronen und Ästen übersät, sodaß ein Spaziergang abseits der Wege bestenfalls ein gefährliches Unterfangen wird, oder man auf den Forststraßen aufpassen muß, nicht in den Maschinenspuren umzuknicken. Glück hatten wir nur dahingehend, daß aufgrund der Witterung die Wege nicht zu sehr aufgeweicht waren, sodaß uns die üblichen Gräben nach Harvesterbefahrung größtenteils erspart blieben.

Zum traditionellen Tag des Waldes am 21.03., welcher seit 20 Jahren veranstaltet wird, hat die BBIWS (BundesBürgerInitiative WaldSchutz) eine Pressemitteilung über die Bewirtschaftung durch die Staatsforsten veröffentlicht:

7_Warum sich Hänsel und Gretel nie mehr im Wald verirren .

Die staatsforstlichen Eingriffe in Bayern gestalteten sich teilweise derart heftig, daß die ÖDP gegen die Bayerischen Staatsforsten eine Strafanzeige gestellt hat. Grund sind massive Laubbaum-Fällungen, bei denen den Bayerischen Landesforsten Unverhältnismäßigkeit der Eingriffe, Missachtung der Vogelbrutzeiten und Verstoß gegen die bayerische Verfassung und gegen das bayerische Naturschutzgesetz vorgeworfen wird:

https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2020/03/06/trotz-waldsterben-der-ausverkauf-der-w%C3%A4lder-geht-weiter-teil-9-bayern/

https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2020/03/18/bayern-%C3%B6dp-stellt-strafanzeige-gegen-die-bayerischen-staatsforsten/

Es gibt jedoch auch vereinzelte Lichtblicke. Entsprechend des Modells der Gemeinde Wershofen, die ihre Wälder nicht von den Staatsforsten bewirtschaften läßt, sondern von lokalen Firmen (dort Peter Wohlleben), hat die Stadt Hofheim diese Aufgabe in die eigene Hand genommen:

https://www.fr.de/rhein-main/main-taunus-kreis/hofheim-ort74520/hofheim-herr-eigenen-wald-13417813.html 

An dieser Stelle möchte ich Sie auf eine dringende Petition hinweisen, da im Naturschutzgebiet Oberstimmer Schacht bei Manching (Ingolstadt) reichlich Einschläge erfolgen, um ein Moorgebiet wiederherzustellen, was aufgrund Grundspiegelabsenkung wohl ein sinnfreies Unterfangen werden wird. Laut Aussagen der Unteren Naturschutzbehörde wurde hier diesbezüglich keine Voruntersuchung durchgeführt! Wenn Sie die lokalen Naturschützer unterstützen möchte bitte hier anklicken und zeichnen:

https://www.change.org/p/landratsamt-pfaffenhofen-landrat-stoppt-den-kahlschlag-im-naturschutzgebiet-oberstimmer-schacht 

Wenn Ihnen forstliche Aktivitäten bzgl. Ausmaß und /oder des Vorgehens verdächtig vorkommen, möchte ich Sie nochmals auf das Meldeportal Waldreport hinweisen. Damit Wälder bei uns eine Zukunft haben, wollen wir auf Waldreport.de Missstände aufzeigen. Durch Ihre Meldungen können wir Waldzerstörung beweisen und Naturfreunde miteinander vernetzen. Artenreiche Mischwälder sind für Mensch und Tier überlebenswichtig. Dennoch sind unsere Wälder stark bedroht: durch Baumaßnahmen, den Abbau von Bodenschätzen und übermäßigen Holzeinschlag. Hierbei möchte ich noch explizit darauf hinweisen, wie wichtig es ist, dass BürgerInnen alle festgestellten Waldschäden, Kahlschläge, Laubbaumfällungen etc. auf der online-Plattform auch eintragen (Bayern ist leider noch ein weißer Fleck auf der Karte):

https://waldreport.de   

Unabhängig von den Tätigkeiten der Staatsforsten setzt die Klimaveränderung unseren Wäldern mächtig zu. Wie unser Experte Martin Bertram beim letzten BBIWS-Treffen in einem Vortrag verdeutlichte, würde eine durchschnittliche Erwärmung um 2° Celsius in Bayern über 95% der Waldbestände stark schädigen bzw. vernichten, da der derzeitige Baumbestand für diese Klimabedingungen nicht geeignet ist. Diese Thematik hat auch schon die bundesweiten Medien beschäftigt. So hat n-tv diesem Thema einen Beitrag gewidmet:

https://www.n-tv.de/politik/Deutsche-Waldschaeden-groesser-als-gedacht-article21603859.html

Hier wird nicht nur über die Schäden berichtet, sondern auch über die fragwürdigen Maßnahmen, die Frau Klöckner als Ressortchefin aus millionenschweren steuerfinanzierten Mitteln in die Wege leiten möchte. Vor diesen haben auch BI-unabhängige Experten gewarnt, da es sich in der Vergangenheit gezeigt hat, daß die Pflanzungen zu einem Großteil eingegangen sind, bzw. nicht den erhofften Effekt brachten, auch wenn sie angegangen sind. Ein 10-Punkte-Plan, der in Thüringen erstellt wurde, scheint ein Lichtblick zu sein, wenn er auch entsprechend umgesetzt würde:

https://wordpress.com/post/bi-gegen-die-waldzerstoerung.org/631

Auch unser Experte Norbert Panek hat das Vorgehen der Forstpolitik kritisch bewertet und zum Thema Wälder statt Forsten einige Thesen zur Zukunft der Wälder aufgestellt. Weiterhin ist eine Stellungnahme von ihm angefügt, wie die Forstbehörden den Zustand der Wälder stark geschönt darstellen. Der Artikel stellt den Euphemismus kurz und prägnant dar:

2_Märchenwald der Holzlobby 1

https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2020/01/27/wälder-statt-forsten-thesen-zur-wald-zukunft/?fbclid=IwAR3mU2-gksDiRp-WoRo8Oi9JaKFWEanJ50dmrlq6qU3FV5Gx8PtkTMW1yK4

Von Seiten der EU sind rechtliche Schritte gegen die Bundesrepublik vorgesehen, da die seit Jahren geforderten Waldlächen, welche nicht bewirtschaftet werden dürfen, weiterhin ignoriert werden. Auf die Ignorierung der Habitat-Richtlinie geht ein Artikel der Leipziger Internetzeitung ein:

https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2020/02/Auch-im-Leipziger-Auensystem-wird-die-Habitat-Richtlinie-der-EU-nicht-eingehalten-316594

Interessant zum Thema Waldbewirtschaftung ist ein Artikel des Norddeutschen Rundfunks, in dem kritisch gewürdigt wird, wie Waldbesitzer den Steuerzahler als Geldquelle für ihre verfehlte Politik entdeckt haben. Nachdem jahrelang die Wälder profitabel ausgebeutet, jedoch nicht zukunftsfähig gestaltet wurden, macht sich die Lobbyarbeit bezahlt: der Bürger soll für die Nutzung des Waldes im Sinne seiner Erholungsfunktion bezahlen. Wie auch im Finanzwesen ist hier die private Gewinnabschöpfung üblich, den Schaden soll die Allgemeinheit auffangen:

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Waldbesitzer-Kasse-machen-mit-dem-Klimawandel,wald1062.html

Als Positivbeispiel hat ARTE einen 27-minütigen Beitrag zum Thema „Die Waldretter – Kampf gegen die Ignoranz“ gebracht. Hier wird auch auf die Alternativen zur konventionellen industriellen Holzwirtschaft eingegangen. Es geht auch anders:

https://www.arte.tv/de/videos/090604-005-A/die-waldretter/

Leider sehen sich einige Forstbetriebe gezwungen, dem geschädigten Wald mit massivem Chemieeinsatz zu „Hilfe“ zu eilen. Wir sind auf diese Thematik in den letzten Beiträgen kritisch eingegangen und haben vor den Konsequenzen auf die Fauna des komplexen Lebensraumes Wald hingewiesen. Die BBIWS hat einen offenen Brief und Pressemitteilung zu dieser Problematik verfaßt:

8_Pressemitteilung BBIWS zu MIMIC Insektizideinsatz 17.03.2020

3_Offener Brief – Gifteinsatz im Wald in BW

„Der kritische Agrarbericht“ wird seit 1993 alljährlich vom AgrarBündnis e.V. herausgegeben, einem Zusammenschluss von derzeit 25 Verbänden der bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft, des Umwelt- und Naturschutzes, des Tierschutzes, der Entwicklungszusammenarbeit sowie der Kirchen. „Der kritische Agrarbericht“ dokumentiert die ganze thematische Breite der agrapolitischen Debatte eines Jahres vor dem Hintergrund der europäischen und weltweiten Entwicklung. Die Veröffentlichungen sind auch online einsehbar ( https://www.kritischer-agrarbericht.de/Home.86.0.html ). Erstmals werden im aktuellen Bericht von 2020 die Tätigkeiten der BBIWS und einzelner Bürgerinitiativen erwähnt. Der Artikel wurde unter anderem von unserer Mitstreiterin Claudia Blank mitverfaßt. Folgend der Ausschnitt aus dem Bericht und eine Pressemitteilung hierzu von der BBIWS. Auch der Bote brachte einen Kurzartikel, nachdem die örtlichen Staatsforsten als Negativbeispiel aufgeführt wurden.

KAB_2020_252_256_Ludwig-Sidow_et_al

5_Reichswald als Negativbeispiel

1_2020-01-16_PM_BBIWS_zum kritischen Agrarbericht

Letztes Jahr freuten wir uns, daß das Volksbegehren Artenvielfalt mit so einer Unterstützung angenommen wurde. Ministerpräsident Söder machte die Umsetzung gleich zur Chefsache und setzte in Zusammenarbeit mit den Umweltverbänden einen Großteil der Forderungen um. Leider macht sich auch hier die Lobbyarbeit bemerkbar – die ersten Aushöhlungen sind feststellbar. Die neue Streuobst-Verordnung weicht den Naturschutz auf. Hier ein Beitrag des LBV:

4_pdfA-06-20 Neue Streuobstverordnung hebelt Schutz aus

Nach Veröffentlichung des neuen Films von Peter Wohlleben prasselte es von Seiten der staatlichen Experten und Waldbesitzer reichlich Kritik, auch partiell unter der Gürtellinie, auf den Schirmherren unserer BBIWS ein. Matthias Fischer von der Naturwaldakademie verfaßte hierzu einen treffenden Artikel, der von vielen Experten und Journalisten unterstützt wurde:

https://idw-online.de/de/news730698?fbclid=IwAR3jv8DZ3JVFCzTDsMyOfxXxYcm4K40TgmXqcyCOFKoEfdtcyQH0N1Wws28

Seit unserer Gründung machen wir auf die Problematik der engen Rückegassen aufmerksam. Die Thematik wird meist schnell zur Kenntnis genommen, aber der Flächenverbrauch und auch die Konsequenzen bzgl. der verminderten Kohlendioxidspeicherung geraten alsbald in Vergessenheit. Eckhard Schulz machte sich die Mühe und rechnete für Sie die Zahlen aus, welche ich sehr beeindruckend finde:

6_Der Bayerische Staatsforst

Zum Schluß möchte ich noch auf die Homepage der BBIWS verweisen (https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de), auf der Sie alle aktuellen Geschehnisse bundesweit verfolgen können und immer auf dem neuesten Stand sind.

Herzliche Grüße

Ihr Roland Rippel mit dem Team der BI gegen die Waldzerstörung, Claudia Blank, Herbert Fahrnbauer und Eckhard Schulz

PS: die blauen Zeilen sind Links – bitte anklicken!

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