Große Beteiligung bei „Rettet den Reichswald“

Am 18. Juli fand am Schmausenbuck anstelle des seit Jahrzehnten jährlich erfolgreichen und traditionellen Reichswaldfestes des BN die Veranstaltung „Rettet den Reichswald“ statt. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen mußte leider die Anzahl der Teilnehmer beschränkt werden.

Die Veranstaltung war eine perfekte Plattform für die in den letzten Monaten reichlich entstandenen Bürgerinitiativen, welche aus unterschiedlichsten Gründen dafür kämpfen, den Reichswald zu retten. Sie konnten sich alle vorstellen und ihr Anliegen präsentieren.

So berichteten Aktivisten aus dem Altdorfer Raum über die Gefahren durch die geplante Grube zum Sandabbau, die eine Bamberger Firma bei Rothenbach/St. Wolfgang bei den Behörden zur Genehmigung eingereicht hat. Der Verlust an Waldfläche würde 40-50 Hektar betragen.

Eine weitere Gefahr droht durch das von der Deutschen Bahn geplante ICE-Werk, für welches weitere 40 Hektar Reichswald gefällt werden sollen. Traurig genug, daß ausreichend Land für ein derartiges Vorhaben am Rangierbahnhof an der Ingolstädter Straße für gutes Geld veräußert wurde, und nun Wald dafür gerodet werden soll.

Ursprünglich war das Werk zwischen Altenfurt und Fischbach geplant, was zeitnah eine breite Bürgerfront mobilisierte. Nun liegen Pläne für das Muna-Gebiet östlich von Feucht, weiterhin südlich davon angrenzend an den Jägersee, am Kanal in Schwarzenbruck, sowie in der Umgebung von Burgthann vor.

Hier konnten zwei Initiativen aus dem Feuchter und dem Schwarzenbrucker Gebiet ihre Positionen und die aus dem Projekt resultierenden Problematiken darlegen.

Als positives Beispiel einer bisher erfolgreichen BI konnte unser Herbert Fahrnbauer die elfjährige Geschichte der BI Moosbach/Birnthon gegen die geplante PWC-Anlage an der A6 zwischen den beiden Gemeinden vorstellen.

Oben links Tom Konopka vom BN, der die Veranstaltung organisiert hatte und moderierte, im blauen T-Shirt Herbert Fahrnbauer.

Mit unermüdlichem Einsatz, sowie vielen politischen Kontakten und Gesprächen konnten bisher die Vernichtung von ca. 30 Hektar Reichswald und Vogelschutzgebiet verhindert werden.

Dieser Erfolg könnte jedoch durch ein weiteres Projekt gefährdet werden – die Juraleitung. Diese 380 kV – Hochspannungstrasse, die uns von der Regierung und dem Betreiber Tennet als notwendige Maßnahme zur elektrischen Sicherung Nürnbergs ursprünglich verkauft wurde, entpuppt sich als reine Maßnahme zum internationalen Transfer von Atomstrom zwischen den benachbarten EU-Staaten, hier vorrangig Frankreich und der Tschechischen Republik. Eine äußerst lukrative Möglichkeit für Großinvestoren, die sich eine Rendite von über 6% auf Kosten der ohnehin schon den höchsten Strompreis Europas zahlenden deutschen Bevölkerung versprechen.

Allein zwischen Ludersheim und Feucht droht ein Verlust von 40-50 Hektar Bannwald. Die derzeit präferierte Strecke liegt zwischen Moosbach und der A6. Aufgrund dieses Verlaufes droht im Rahmen der Baumaßnahmen die parallele Errichtung der PWC, welche zusätzlich zu dem Waldverlust durch die Stromtrasse weitere 15 Hektar Wald vernichten würde.

Als neueste Gefahr für den Reichswald ist die Auslagerung einer Laufer Firma in die Peripherie entstanden. Hierfür sollen acht Hektar Bannwald am Letten geopfert werden. Ein unberührter Wald und Erholungsgebiet direkt am Rand von Lauf.

Ein Geschmäckle hinterläßt das Vorgehen der beteiligten Parteien. Als völlig ungewöhnliche Maßnahme überließen die Bayerischen Staatsforsten der Stadt Lauf das Waldgrundstück. Dieses soll von der Gemeinde an die Firma weitergereicht werden. Selbst die meist gehorsamen Staatsförster, welche die Vorgaben der Obrigkeit ohne zu hinterfragen umsetzen, kommen hierbei ins Grübeln.

Alternativ bestünde in Röthenbach ein sieben Hektar großes Industriegrundstück, welches nur gering mit Graphit belastet ist und für ein derartiges Vorhaben ideal wäre. Für das Unternehmen scheint jedoch der Verkehr zwischen Lauf und Rothenbach unangenehmer als die Vernichtung von acht Hektar Erholungswald.

Da die Entscheidung im Laufer Stadtrat bereits am 29. Juli fallen soll – mit erwarteter Zustimmung der meisten Entscheidungsträger, sind noch am kommenden Wochenende Protestaktionen geplant:

Am 24.07. in Lauf zwischen 9 und 12 Uhr:

https://nuernberger-land.bund-naturschutz.de/veranstaltungen/termin/infostand-marktplatz-bibala-gegen-die-bannwaldrodung-in-lauf

Am 25.09. erfolgt eine weitere Veranstaltung:

https://nuernberger-land.bund-naturschutz.de/veranstaltungen/termin/demo-gegen-die-bannwaldrodung-am-letten-buergerinitiaitve-bibala-laedt-ein

Der Höhepunkt der Vorträge war der Beitrag von Prof. Hubert Weigert, dessen klarer und prägnanter Stil die wiederkehrende Problematik der Waldvernichtung im Nürnberger Reichswald vor Augen führte.

Mit reichlich Mühe und Engagement in den 70er Jahren erreichten er und seine Mitstreiter mit Unterstützung der damaligen bayerischen Regierung, daß der Reichswald, welcher zu dieser Zeit ca. 300 Hektar jährlich verlor, einen hochgradigen Schutzstatus als Bannwald erhielt, um ein angenehmes Mikroklima um die Großstadt herum zu erhalten und der Bevölkerung ein Naherholungsgebiet zu bieten.

Oben: Prof. Hubert Weiger während seines Vortrages.

Jahrzehntelang wurde dieser Status respektiert. Wald durfte nur gerodet werden, wenn ein übergeordnetes öffentliches Interesse bestand, bzw. keine akzeptablen Alternativen vorlagen!

Inzwischen ist die großflächige Vernichtung von Reichswald ein gängiges Unterfangen und wird unkritisch von den Behörden genehmigt. Das letzte Beispiel ist die Rodung von 20 Hektar, gemeinsam mit Enteignung von privaten Grundstücken, zur Errichtung des Overfly am Autobahnkreuz A6/A9 bei Fischbach, um den Individualverkehr auch adäquat zu fördern.

Erschreckend hierbei ist die Missachtung des in den Gesetzen festgeschriebenen Grundsatzes, daß zerstörter Bannwald wieder aufgeforstet werden muß. Leider gibt es hierfür im Bereich des Reichswaldes keine Ausgleichsflächen mehr.

Stattdessen werden auch schon nur einen Meter breite Grasfläche entlang von Scheunen und Hütten als Ausgleichsflächen akzeptiert, was schon lächerliche Ausmaße annimmt. Der LBV (Landesbank für Vogelschutz Bayern) hat bereits ein Monitoringprogramm aufgelegt (in der Homepage nachzulesen), um derartigen Missbrauch aufzudecken.

Professor Hubert Weiger ermahnte die Anwesenden, daß nicht neue Gesetze geschaffen werden müssen, sondern nur die Einhaltung der vorhandenen eingefordert werden muß!

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, daß die kommende Bundestagswahl eine Klimawahl ist:

Unsere BI auf der Veranstaltung:

Zur Unterstützung der Laufer Bannwaldfreunde hoffen wir, daß Sie zahlreich am Wochenende an den Veranstaltungen teilnehmen.

Ihr Team der BI gegen die Waldzerstörung Claudia Blank, Herbert Fahrnbauer, Eckhard Schulz und Roland Rippel

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