Aktualisierung vom 11.7.2018

Themen

  1. Hilferuf aus Pyrbaum: Verwüstungen am Stachelweiher.
  2. Rückblick auf die 5 vor 12 Wanderung am Bodenlehrpfad Kalchreuth am 10.06.
  3. Zeitungskommentar von Claudia Blank zur Schönmalerei der Staatsforsten.
  4. Bericht zur Demo für den Bamberger Hauptsmoorwald.

 

1

Frau Garibasch sandte uns einige Fotos und einen Zeitungsartikel über die Tätigkeiten der Staatsforsten in einem Waldstück bei Pyrbaum am alten Kirchenweg, welche von einem Subunternehmer durchgeführt wurden.

Nachdem der Wald in diesem Gebiet über 30 Jahre wohl verschont blieb, schlugen die Staatsforsten am Vatertag umso zerstörerischer zu. Erschwerend kam hinzu, daß die Arbeiten in einem wasserreichen, sensiblen Gebiet durchgeführt wurden.

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Hierbei wurden die üblichen Fehler gemacht, auch wenn sie durch Ausnahmeregelungen legalisiert sein sollten:

  • die Abstände der Rückegassen, die 30 m betragen sollten, wurden nicht selten auf 22 m reduziert.
  • Fällungen während der Brutzeiten.
  • Feuchte Wege, auf denen die Harvester geradezu Gräben hinterließen, die inzwischen von den Staatsforsten mit Schotter und lokalem Meterial verfüllt wurden.

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Zum Größenvergleich können Sie das Mountain-Bike in dem Graben heranziehen.

Die Liste der Schäden könnte man in bekannter Manier fortführen.

Da der Zeitungsartikel über die starken Verwüstungen in Teilen des Pyrbaumer Walds am Stachelweiherund  reichlich öffentliches Interesse hervorrief, organisiert Herr Hauff von der Ortsgruppe der Grünen in Pyrbaum eine Ortsbegehung am Stachelweiher in Pyrbaum am Montag, den 16.07. um 17 Uhr, um allen Beteiligten den bestmöglichen Informationsstand zu geben und einer Aufklärung näher zukommen. Interessierte sind willkommen!

Eingeladen werden neben Pressevertretern auch weitere Sachverständige für Forstwirtschaft.

Parkmöglichkeit an der NM6 Pyrbaum Richtung Allersberg, ca 1 km nach Ortsende (siehe Bild)

Vertreter unserer BI werden vor Ort sein und stehen bei Fragen und Unterstützungswünschen zur Verfügung!

 


 

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Nachfolgend der Bericht von unserem BI-Bodenexperten Prof. Dr. A. Skowronek zu unserer 5 vor 12 – Wanderung am 10.6. am Bodenlehrpfad bei Kalchreuth.

Neben den vielen fachlichen Neuigkeiten, die sehr verständlich und unterhaltsam vermittelt wurden, beeindruckte mich die Tatsache, wie lange es dauert, bis die sehr dünne und verletzliche obere Bodenschicht für ihre Entstehung braucht. Dadurch wurde mir erst klar, wieso es bis zur nächsten Eiszeit dauert, bis die von den schweren Erntemaschinen geschädigte Bodendecke braucht, um zu regenerieren.

 

Holzernte und Bodenschutz im Sebalder Reichswald:

Bodenbefahrbarkeit und Bodenfruchtbarkeit

Protokoll zur zweiten„5VoR12-Wanderung“

unter der Reihe

„Der Reichswald – staatlicher Holzacker oder Bürgerwald und Lebensraum?“

der Bürgerinitiative gegen die Waldzerstörung

Sonntag, 10. Juni 2018, 10-13 Uhr

von

 Armin Skowronek

[askowronek@uni-bonn.de, www.boden.uni-bonn.de]

 Boden ernährt uns – und den Wald. „Dabei gilt der Boden als fruchtbar, wenn er eine standortsspezifische, artenreiche, biologisch aktive Lebensgemeinschaft, eine typische Bodenstruktur sowie eine ungestörte Abbaufähigkeit der Vegeteationsrückstände aufweist. Das Wachstum und die Qualität der Pflanzen sollen nicht beeinträchtigt werden. Auf den Wald bezogen muss die Selbsterhaltung der standortstypischen Lebensgemeinschaft Wald mit Naturverjüngung nachhaltig gewährleistet werden. Nur natürliche Faktoren dürfen das Wurzelwachstum der standortsgerechten Baumarten beeinträchtigen.“ – so der Leitsatz des Bodenschutzes in der Schweiz (Lüscher et al.2008, S. 19).

Es galt, die hochmechanisierteHolzernte in den Bayerischen Staatsforsten hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Bodenfruchtbarkeitin den Rückegassen, die zur produktiven Holzbodenflächedes Waldes gehören, einschätzen zu lernen. Dazu wurden 6 Profilgruben des Bodenlehrpfads Kalchreuth-Wolfsfelden [siehe: www.lfu.bayern.de/boden/bodenlehrpfade] und ei-nige am selben Weg gelegene, ältere Rückegassen aufgesucht.

Die Bodenbefahrbarkeitwurde an zwei Merkmalen festgemacht: an der organischen Substanz(organische Auflagen + Humusformen) und an der Korngrößenzusammensetzungdes Mineralbodens (A-, B- u. C-Horizont). Deren Eigenschaften bestimmen Luft-, Wasser- und Nährstoffhaushalt von Böden. Veränderungendurch Befahrungbeinflussen daher auch die Bodenfruchtbarkeit.

Info: Infotafel / Bodenlehrpfad

 Station 1: Gestein – der Baustoff für den Boden

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Braunerdeaus Feuerletten: Der Boden ist gegenüber Befahrungwegen seiner differenzier-ten organischen Auflage (L/Of/Oh) verwundbar, der sandige Mineralboden dagegen nicht. Die Bodenfruchtbarkeitwürde beeinträchtigt, weil in diesem sehr sauren (podsoligen) Boden schon natürliche Nähstoffkreisläufe entkoppelt sind.

Station 2: Kleine Körner – große Wirkung

Pelosolaus Feuerletten: Hier sind sowohl die – ebenfalls differenzierte– organische Substanz (L/Of/Oh/Ah) als auch der sehr tonigeMineralboden bei Feuchtigkeit äußerst empfindlich gegenüberBefahrung. Der Landwirt nennt solche Böden „Minutenböden“.

Station 3: Was macht der Kalk im Boden?

Pararendzinaaus Feuerlettenmergel: Die günstigste Humusform Mullzeichnet diesen stark humosen Boden aus. Sie darf keinen Schaden durch Befahrungnehmen, sonst sind – wegen der Flachgründigkeit des Bodens – Nährstoffgleichgewichte gefährdet.

Station 4: Boden und Wasser – eine erfolgreiche Verbindung

Pseudogleyaus Feuerletten: Bewertung wie Station 2.

Station 5: Pflanzen und Tiere

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Podsol aus Rhätsandstein: Bewertung wie Station 1.

Station 6: Boden als Grundlage stabiler Wälder / Waldboden

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Station 8: Die organische Substanz – verstecktes CO2im Boden

Braunerdeaus sandiger Deckschicht: Bewertung wie Station 1.

Die Bodenprofile des Lehrpfades lassen auf engstem Raum eine große Vielfalt an Bodentypen und Bodenarten erkennen. Diese muss eine hochmechanisierte Holzernte unbedingt beachten, d. h. standörtlichund zeitlichoptimal managen, sonst wird die Bodenfruchtbarkeitin den Rückegassendrastisch abnehmen – so wie es entlang des Bodenlehrpfades schon zu beobachten ist.

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Schweizer Waldbodenkundler haben eine Spurentypologie entwickelt, mit der man die unterschiedliche Beeinträchtigung der Bodenfruchtbarkeit nachBefahrungrelativ genau einschät-zen kann (Lüscher et al.2008). Sie hat inzwischen weite Verbreitung in Wissenschaft und Praxis gefunden. Anhand des beigelegten Schaubildes kann man Fahrspuren auch selbst typisieren (siehe Figur).

Literatur

 Lüscher, P., S. Sciacca & O. Thees(2008): Betrebungen zur Verbesserung des Bodenschut-zes in der Schweiz. – LWF aktuell 67/2018: 19-21, Weihenstephan (Selbstverlag).

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Die Teilnehmer hatten eine eindeutige Meinung!


 

3

 

Hier die Antwort von Claudia Blank auf den Zeitungsbericht im Boten vom 29.06. über eine Waldbegehung der SPD Feucht mit den Staatsforsten.

(Link bitte jeweils anklicken)

CL-Leserbrief

Ursprünglicher Artikel:

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4

 

Bayern: Großer Zuspruch für Demo der Bürgerinitiative „Für den Hauptsmoorwald“ bei Bamberg!

 Wir waren dabei: Eckhard Schulz, Prof. Dr. A. Skowronek und Claudia Blank von der Bürgerintitative „gegen die Waldzerstörung“ und als Vertreter der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS)

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Seit 2015 plant die Stadt Bamberg ein riesiges Industriegebiet im Hauptsmoorwald. Auf dem Gelände und angrenzenden Waldflächen der ehemaligen Munitionsanstalt Bamberg (MUNA) soll ein neuer Gewerbepark entstehen. Bei Umsetzung dieses Bauvorhabens wären Eingriffe im Hauptsmoorwald in der Größenordnung von ca. 74 ha erforderlich und eine Rodungsfläche etwa so groß wie 85 Fußballfelder, was aufgrund zunehmenden Flächenverbrauchs und massiver Umweltschäden durch Bodenversiegelung  für viele Bürger nicht mehr hinnehmbar ist! Die Rodungsmaßnahmen wären zusammen mit dem Projekt Weiden (Gewerbegebiet Weiden-West IV mit geplanten 65 ha Rodungen) derzeit die größten Rodungsprojekte in Bayern, bei denen wertvoller Waldboden zerstört und damit die Lebensgrundlage vieler Kleintiere und Pflanzen, darunter einige sehr seltene Arten, vernichtet werden würden. Die negativen Auswirkungen solcher Eingriffe auf  Luftqualität, Klima und Wasserhaushalt sind hinreichend bekannt.

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Mit einem laufenden Bürgerbegehren wehrt sich die Bürgerinitiative Für den Hauptsmoorwald unterstützt von der Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS)  gegen das Vorhaben des Stadtrates und erfährt in der Bevölkerung eine überwältigende Unterstützung zur Rettung des Hauptsmoorwaldes. Die BBIWS reichte beim zuständigen Baureferat der Stadt Bamberg eine kritische Stellungnahme gegen die geplante Waldrodung ein.

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Die Einladung zur einer demonstrativen Waldbegehung mit Begleitprogramm am 08. Juli fand großen Zuspruch aus der Bevölkerung. Ca. 5oo Teilnehmer nahmen teil und unterstützten damit die Forderungen der Waldschützer, den Hauptsmoorwald als wertvollen Freizeit- und Naherholungsraum zu erhalten, alle Baumaßnahmen zu verhindern und die Regnerationsleistungen des Waldes für Mensch, Umwelt und Klima zu bewahren!

Mehr Infos unter: bi-hauptsmoorwald@t-online.de

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